Innehalten und entschleunigen

Di 11.03.14

Alpeninitiative, Zweitwohnungsinitiative, Kulturlandinitiative, Energiestrategie (zum Beispiel Atomausstieg): Sie werden systematisch ignoriert, verwässert und verzögert. Nicht von Ausländern, nein, von unseren eigenen  Behörden und rechtsbürgerlichen Parlamentariern. Stattdessen werden immer neue Ausgrenzungsinitiativen à la «Masseneinwanderung» oder «Ecopop» eingereicht, welche letztlich nur von den Problemen des eigenen (Anspruchs­)Wachstums ablenken.

Es geht diesen Kreisen primär um die Aufrechterhaltung der individuellen Vorteile. Zur Schonung der Ressourcen hätten längst Pflöcke eingeschlagen werden können. Stattdessen wird mit dem Finger auf Zuwanderer gezeigt. Belasten diese die Umwelt mehr, wenn sie diesseits der Grenze leben? Die Winterthurer Stimmberechtigten haben am 9. Februar zur Ausgrenzung und faulen Öko­Ausrede Nein gesagt. Es gibt auch gar keinen Grund zur Panik. Der Dichtestress ist herbeigeredet und die Ausländer, die uns den Platz im Verkehr wegnehmen, sind Fantasiegespinste. Der jüngste Nachhaltigkeitsbericht der Stadt zeigt genau das Gegenteil auf. Trotz Bevölkerungs­ und Arbeitsplatzwachstum hat der Ressourcenverbrauch nicht weiter zugenommen. Verkehrsbelastungen, Energieverbrauch und Landverschleiss haben sich über die letzten Jahre zumindest stabilisiert, sind teilweise sogar leicht rückläufig.

Doch es gibt noch viele ungenutzte Möglichkeiten zum Innehalten und Entschleunigen, insbesondere bei den individuellen Gewohnheiten. So zum Beispiel wenn auf eine Autofahrt verzichtet wird, oder wenn sie stattdessen mit Velo, Bus oder Bahn unternommen wird. Ich freue mich aber insbesondere, dass die eidgenössische Unterstützung aus dem Agglomerationsprogramm hier in Winterthur in erster Linie in die Projekte für den Fuss­, Velo­ und öffentlichen Verkehr fliessen wird. Das ist ein wichtiges Signal. In Neuhegi/Grüze und Sulzer/Stadtmitte wollen wir mit nachhaltiger Entwicklung ernst machen. Das ist der Weg, auf dem wir konsequent weitergehen sollten.

Reto Diener, Gemeinderat Grüne Winterthur