Ein Brief an Herr Piveteau

Di 11.11.14

Lieber Herr Piveteau

Glaubt man der Tagespresse, so sind Sie begeistert von der Idee, die School of Engineering nach Dübendorf in einen noch zu bauenden Innovationspark zu zügeln. Sie beruhigen die Leserschaft damit, dass der Rest der ZHAW in Winterthur bleiben wird.

Als Alumnus des damaligen Technikums kommt mir dies eher wie das Herausreissen des Herzens bei lebendigem Leib vor – mit dem Hinweis, dass der Rest des Körpers ja unversehrt bleibe. Zugegeben, meine Sicht ist selbstredend nicht objektiv. Allerdings darf sich die geneigte Leserschaft ernsthaft fragen, ob Sie, Herr Piveteau, sich gar nicht mehr an Ihr Studium erinnern mögen? Neben der Schule selbst spielen viele andere Faktoren bei der Wahl der passenden Institution eine Rolle.

Haben Sie sich beispielsweise schon einmal die Zeit genommen, per SBB-App von einer Handvoll zufällig gewählten Zürcher Gemeinden eine ÖV-Verbindung nach Dübendorf zu ermitteln? Bei den meisten werden Sie mehrmals umsteigen müssen und haben lange Reisewege – Winterthur ist sowohl vom ganzen Kanton als auch von allen grösseren Schweizer Städten schnell und einfach erreichbar. Studierende haben auch noch andere Bedürfnisse: Logieren im Studentenwohnheim oder bei Schlummereltern, Ausgehen am Abend ins Kino, Theater oder einfach ins Beizli, sich mit verschiedenen Sportarten fit halten, den Techumzug organisieren oder sich einfach mit den Studienkolleginnen und -kollegen an einem stimmigen Ort treffen. Winterthur hat dafür eine ideale Infrastruktur – und Dübendorf? Fehlanzeige!

Lieber Herr Piveteau, lassen Sie sich nicht vom Luftschloss «Innovationspark» blenden und halten Sie wie die ETH Zürich am bestehenden Standort für die School of Engineering fest. Der Ruf der Schule, die Studierenden – Ihre Kunden! – und das Winterthurer Gewerbe danken es Ihnen.

Freundliche Grüsse Jürg Altwegg

Jürg Altwegg, Gemeinderat Grüne Winterthur