Überflüssige neue "Belastungsstrasse"

So 23.07.17

Neue Kantonsstrase in Oberwinterthur: Umwelt- und Lebensqualität nicht aufs Spiel setzenDIESE Strasse genügt!

Alle Grundsätze zur Verkehrsplanung sehen seit gut zehn Jahren vor, dass der überwiegende Anteil an zusätzlichem Verkehr (generiert über Verdichtung und allenfalls Bevölkerungswachstum) über transporteffiziente und umweltfreundliche Verkehrsträger abgewickelt werden muss. Zu letzteren gehört der motorisierte Individualverkehr (MIV) mit durchschnittlich lediglich 1,1 Personen pro Fahrzeug definitiv nicht. Gemäss diesen Vorgaben sowie den Prognosen verbleiben für den in den nächsten 10 bis 20 Jahren erwarteten zusätzlichen Verkehr im Raum Oberwinterthur täglich knapp 3000 zusätzliche Fahrten, die mit dem MIV erfolgen dürften.

Für diese wenigen zusätzlichen Fahrten soll gemäss der Mehrheit eine neue Hauptstrasse mit Kosten von mehreren hundert Millionen Franken erstellt werden. Dazu hat der Kantonsrat vor kurzem eine Richtplanänderung mit Varianten beschlossen. Die Umsetzung dazu wäre nicht nur herausgeworfenes Geld, sie würde auch die Umwelt- und Lebensqualität eines ganzen Stadtteils massiv aufs Spiel setzen. Würde die Strasse gebaut, hätten wir mit Sicherheit bald wieder deutlich mehr als die planerisch zugelassenen Autofahrten in und aus dem Raum Oberwinterthur zu erwarten. Die unglaubwürdigen Versprechungen zum neuen Gotthard-Autotunnel lassen grüssen (Das Bild zeigt den Raum in Blickrichtung stadtauswärts, wo die neue Strasse geplant ist, DIESE Strasse muss genügen).

Würde andersherum die Transporteffizienz des MIV von heute einer auf  zwei oder gar drei Personen pro Fahrzeug verbessert, könnte ein Mehrfaches der allenfalls notwendigen, zusätzlichen Transportleistung erreicht werden, ohne dass auch nur ein einziger Franken in eine neue Strasse investiert werden müsste. Im Gegenteil. Wir könnten sofort auch weitere Verkehrsberuhigungsmassnahmen wie z.B. die Sperrung des "Kistenpasses" (Hegistrasse) angehen und hätten noch immer wesentlich weniger Verkehr auf den kritisch belasteten Abschnitten von Frauenfelder- und Seenerstrasse wie heute.

Neben der Stärkung der Angebote für den öffentlichen und Langsamverkehr muss diese verkehrliche Effizienzsteigerung das primäre Ziel für die Erschliessung der Wohn- und Arbeitsplatzgebiete (auch) in Oberwinterthur sein. Die neu geplante Strasse erfüllt die notwendigen Anforderungen nicht, egal ob in der Variante A oder B. Die Grünen haben im Kantonsrat – wie auch schon im Parlament der Stadt Winterthur – (als einzige Partei!) dieses Ansinnen zu Recht abgelehnt. Eine neue Strasse zur sogenannten Erschliessung oder Entlastung führt lediglich zu weiteren, immer gleichen Problemen, wir erhalten damit nur eine weitere "Belastungsstrasse" mehr. Stattdessen muss vielmehr eine neue, konsequent auf den Erhalt von Umwelt- und Lebensqualität ausgerichtete Verkehrspolitik zur Anwendung kommen.

 

von Reto Diener, Gemeinderat und Co-Präsident, Leserbrief im Landoten vom 22. Juli 2017