Der Stadtrat will einfach nicht

So 13.05.18

Die gegenwärtige Noch-Stadtratsmehrheit hat einen Verkehrs-Stillstandspreis verdient. Nicht nur, aber auch deshalb, weil Winterthur trotz allen Plänen und schönen Worten der letzten Jahre weiterhin "nur" drittplatzierte Velostadt in der Schweiz ist. Es hat sich tatsächlich seit 8 Jahren diesbezüglich kaum etwas bewegt. Und nun zum Abschluss auch noch dies: Auf der Feldstrasse in Veltheim (siehe Bild rechts) könne kein Tempo 30 signalisiert werden. Ich reibe mir die Augen, schon gar wenn ich die Begründungen dazu lese. Sie sind formal falsch und inhaltlich wertlos. Die Signalisierung von Tempo 30 ist an KEINE der angeführten Bedingungen geknüpft.

Zur ersten, den Trottoirüberfahrten: Können bestehen bleiben. An der Rychenbergstrasse in Oberwinterthur wurden in einer T30 Zone auf mehreren Zufahrten (u.a. Pestalozzistrasse, siehe Bild unten, links) letztes Jahr von der Stadt selbst Trottoirüberfahrten neu geplästert. Und das inklusive Beibehaltung des Rechtsvortritts. Zur zweiten, dem Rechtsvortritt selbst: Könnte aufgehoben werden, wenn es die Verkehrsverhältnisse erfordern. Auch das wurde in der eben erwähnten Zone so umgesetzt, gleich unmittelbar angrenzend an die andere Einfahrt (Im Geissacker, sihe Bild unten rechts). Bei der Feldstrasse dürfte aber insgesamt doch eher ersteres angezeigt sein. Durch die Trottoirüberfahrten wird unter anderem ein für jeden Verkehrsteilnehmer unmittelbar und natürlich ersichtlicher Unterschied zwischen der Feldstrasse und den oft schmaleren Zufahrten erreicht. In einer derart gestalteten Situation wird die Erzwingung eines Rechtsvortrittes eher selten vorkommen und wenn doch, dann kann es, bei reduzierten Tempo, auch nicht mehr gefährlich werden. Dies schon gar, wenn das eben genau auch für die Rychenbergstrasse gilt, welche ein doch deutlich höheres Verkehrsaufkommen aufweist. Nein, die Begründungen des Stadtrates sind fadenscheinig und vorgeschoben. Man will einfach nicht, sucht stattdessen nach Ausreden. Oder hat andere, nicht kommunizierte Gründe, was die Sache aber auch nicht geniessbarer macht.
 
Zuletzt noch dies: Die Rychenbergstrasse hat im erwähnten Abschnitt eine lediglich schwach gebogene Linienführung und es wurden keinerlei "gestalterischen" Elemente aufgesetzt. Grund war vor allem die unbehinderte Durchfahrt für den Bus. Tempo 30 ist hier für alle Verkehrsteilnehmer ein grosser Sicherheitsgewinn und als Anwohner spüre ich die Lärmreduktion merklich. Dass der Stadtrat dies nun dem Quartier in Veltheim vorenhalten will zeugt von einer nur noch unverständlichen Vogel-Strauss Politik. Ich hoffe doch sehr, dass die neue Mehrheit auf diesen Beschluss zurückkommen wird!

12.5.2018 - Leserbrief im Landboten - von: Reto Diener