Die ach so teuren Parkplätze auf öffentlichem Grund

Do 09.10.14

Leserbrief zu Landbote-Artikeln vom 3. Oktober 2014

Die Ferienposse um die Parkplatzgebühren geht in die nächste Runde. Neuerdings erhalten die Partikulärinteressen noch politischen Support von selbst ernannten Hütern der Liberalität. Natürlich geht es auch hier um einen Beitrag an die schwierige finanzielle Situation der Stadt (genau wie bei der Erhöhung der Baubewilligungsgebühren). Und wenn es nun am Ende etwas mehr ist, als man an anderen Orten bezahlen muss? Winterthur ist nicht umsonst Velo- und Energiestadt. Wer fährt denn da noch mit dem Auto herum? Sicher, mehr bezahlen ist immer ärgerlich, aber bitte nicht die Relationen verlieren: Es geht bei der Erhöhung um weniger als einen Franken pro Tag! Zum Vergleich: Für einen privaten Parkplatz oder eine Garage muss wohl in den allermeisten Fällen deutlich mehr als die neu 710.-/Jahr hingeblättert werden. Nur der öffentliche Raum soll weiterhin gratis oder zumindest billig sein. Und das ausgerechnet noch für jene Art der Mobilität, die in der Stadt zunehmend Probleme verursacht. Das kann nicht aufgehen. Sollen alternativ etwa die Strassenunterhaltsleistungen der Stadt abgebaut werden: Reinigungen, Reparaturen, Winterdienst? Ich höre den Aufschrei schon, wenn ich bei letzterem wieder zum Sparen auffordere (was ich mir für die Budgetdebatte durchaus überlege!). Und die Steuern erhöhen? Da stellen sich die gleichen Kreise – ebenso irrational –  mit Händen und Füssen dagegen, obwohl das mit Abstand der sozialste und gerechteste Beitrag zur Sanierung der Stadtkasse wäre. Seldwyla (Winterthur) soll doch lieber noch etwas „freiheitlicher“ werden, graben wir nur weiter einander das Wasser ab.

Reto Diener