Jahresrückblick - Renato Pichler

Fr 27.12.19

Das vergangene Jahr stand ganz im Zeichen des Klimawandels. Ein 16-jähriges Mädchen prangert die Untätigkeit der Regierungen an – und wird zu diversen Konferenzen eingeladen. Viele (leere) Versprechen wurden abgegeben. Weiterhin wird die Erdölindustrie weltweit mit 400 Milliarden Dollar subventioniert. Und dies nicht nur einmalig, sondern jedes Jahr! Auch die Fleischindustrie gehört zu den Industriezweigen, mit den höchsten Subventionen. Die Schweiz gibt jährlich Milliarden Franken aus um die Produktion und Vermarktung von tierischen Produkten zu fördern. Obwohl es allgemein bekannt ist, dass gerade tierische Nahrungsmittel am meisten zum Klimawandel beitragen. Sogar die Werbung für Fleisch wird in der Schweiz mit 6 Millionen Franken Steuergelder unterstützt. Diese Steuerverschwendung für die Bewerbung des klimaschädlichen Produktes wurde von den Grünen und der SP schon mehrfach angeprangert, jedoch von bürgerlicher Seite immer wieder verteidigt.

Klimawandel mit Steuergeldern gefördert
Es ist erstaunlich, dass man in der Politik meist erfolglos darum kämpfen muss, dass alternative Energien und eine klimafreundliche Ernährung unterstützt werden sollte, jedoch grosszügig die bestehenden umweltschädlichen Strukturen unterstützt werden. Dazu gehören auch die Milliardenausgaben für das Militär. Das Militär gehört zu den grössten Umweltverschmutzern der Welt – wird aber von jedem Land grosszügig mit Steuergeldern finanziert. Allein die US-Armee verursacht so viele Treibhausgase wie 140 Staaten zusammen. Kein Panzer würde eine Abgaskontrolle wie beim Auto oder Lastwagen bestehen. Von den Kampfjets ganz zu schweigen. Von den internationalen Klimaschutzabkommen wurde das Militär sogar explizit ausgenommen. Klimapolitik und Umweltpolitik gehören deshalb zusammen. Auch in Friedenszeiten schädigt eine grosse Armee die Umwelt. Die bürgerlichen Politiker wollen dennoch das Militärbudget der Schweiz erhöhen und neue Kampfjets kaufen. Die Grüne Partei lehnt diese Verschwendung von 6 Milliarden Franken Steuergelder konsequent ab. Auch von Militärexperten werden diese hohen Ausgaben kritisiert. Sie tragen kaum etwas zur Sicherheit der Schweiz bei.

Ablenkung von den Ursachen des Klimawandels
Da man die Auswirkungen unseres Handelns auf das Klima kaum noch verleugnen kann, wurde die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf Nebenschauplätze gelenkt, bei denen man nur wenig bewirken kann. In den vergangenen beiden Jahren z.B. auf die Plastiksäcke. 127 Staaten haben bereits 2018 den Gebrauch von Plastiksäcken gesetzlich reguliert. Der Plastik in der Umwelt – insbesondere im Meer – ist ein grosses Problem. Bei Umfragen sahen darin die Mehrheit der Befragten sogar den wichtigsten Bereich in dem sie etwas fürs Klima tun können. Sie verzichten also auf Einweg-Plastiksäcke (was sehr zu begrüssen ist!). Die Fakten sagen jedoch etwas anderes: Fast die Hälfte des Plastiks im Meer stammen von der Fischerei (deshalb sollte man auf den Fischkonsum verzichten). Und kaum eine Person, die so umweltbewusst handelt wird einen Plastiksack einfach in den nächsten Fluss werfen, sondern der Kehrichtverbrennung zuführen, wo dessen Energie bei der Verbrennung als Fernwärme genutzt werden kann. Dennoch konsumieren oft dieselben Personen, welche das Problem der Plastiksäcke erkannt haben, praktisch täglich tierische Produkte, und schädigen damit das Klima über 200 Mal mehr als mit den Plastiksäcken. Glücklicherweise wird heute gegen die unnötigen Wegwerfartikel vorgegangen, jedoch noch nicht gegen die klimaschädlicheren tierischen Produkte, diese werden weiterhin mit Subventionen gefördert.

Positive Ansätze
Das Jahr brachte jedoch auch einige positive Fortschritte: Martin Neukom wurde von Winterthur in den Regierungsrat des Kantons Zürich gewählt. Er setzt sich nun im Kantonsrat für unsere Anliegen ein. Dabei ist ihm ein grosses Anliegen die klimaschädlichen Öl- und Gasheizungen in den Häusern durch klimafreundlichere Systeme zu ersetzen. Heute basieren noch immer 60% aller Heizungen auf Öl oder Gas.
Und erstmals hat sogar der Bundesrat eine klimaneutrale Schweiz gefordert. Er will sich damit zwar noch bis 2050 Zeit lassen, aber immerhin ist ein konkretes Ziel gesetzt. Erstmals ist sogar eine Flugticketabgabe auf gutem Wege (vom Ständerat angenommen).
Zum ersten Mal wurde ein AKW in der Schweiz stillgelegt. 15 Jahre dauert nun der Rückbau der Anlage. Die Kosten für den Betrieb eines AKW werden durch erhöhte Sicherheitsanforderungen eher steigen, die Kosten für alternative Energien sinken. Deshalb war dies auch aus wirtschaftlicher Sicht eine logische Folge.
Auch ein Teil der Privatwirtschaft hat erkannt, dass die Zukunft nicht im klimaschädlichen Fleischkonsum liegt. Beyond Meat hat durch private Geldgeber seine Produkte weltweit vermarkten können und gelangen mit ihnen in die ehemals reine Fleischdomänen wie Burger King, Chickerias und bis in die Schweizer Supermärkte. Praktisch alle grösseren Firmen haben im vergangenen Jahr in Fleischalternativen investiert – inkl. Migros und Coop. Und selbst der grösste Schweizer Milchverarbeiter, Emmi, lanciert eine rein pflanzliche Linie – obwohl er nur für seine tierischen Produkte Subventionen erhält. Doch nicht nur bei den «Grossen» tut sich etwas: Ein Start-up aus der ETH stellt seit kurzem aus Erbsen eine nachhaltige Fleischalternative her. Andere Firmen, welche die Zeichen der Zeit nicht sehen, werden vom Wandel eingeholt: Dean Foods, der zweitgrösste Milchkonzern der USA mit 15000 Mitarbeitern musste Insolvenz anmelden denn immer mehr Konsumenten bevorzugen klimafreundlichere pflanzliche Milch. Die Konsumenten übernehmen dadurch Eigenverantwortung für ihr Handeln. Eine solche Eigenverantwortung ist leider noch nicht allgemein verbreitet.

Eigenverantwortung in der Politik?
Zum Beispiel wenn Bundesrat Cassis (FDP) das Flugzeug benutzt um von Bern nach Zürich zu reisen – wenige Tage nach einer Sitzung zum Klimawandel. Auch bei vielen anderen Politikern merkte man vor den Wahlen, dass ihnen Wählerstimmen wichtiger sind als Klimaschutz: Viele warben am Grill mit Würsten für Wählerstimmen. Offenbar wollten sie sich damit volksnah zeigen. Oder sie getrauen sich nicht, die wahren Umweltauswirkungen des Fleischkonsums zu thematisieren, obwohl die UNO-Umweltbehörde UNEP bereits 2010 geschrieben hat: «Eine wesentliche Reduzierung dieser [Umwelt-]Auswirkungen wäre nur möglich mit einer grundlegenden weltweiten Ernährungsumstellung weg von tierischen Produkten.»
Es ist auch erstaunlich, dass gerade die Politiker, die sich auf die Eigenverantwortung stützen, wenn es darum geht wirksame Gesetze zu verhindern, die Eigenverantwortung kaum je bei sich umsetzen. Dabei braucht es beides: Die aktuellen Probleme sind so gross, dass diese mit guten Gesetzen und Eigenverantwortung aller Beteiligten begegnet werden müssen.

Was kann ich tun?
Welche Vorsätze wären fürs kommende Jahr hilfreich?
Vieles wurde im vergangenen Jahr begonnen: Das Parlament wurde Grüner, das Angebot an klimafreundlichen Nahrungsmitteln wurde grösser, die alternativen Energien – insbesondere Photovoltaik und Batterien – wurden wesentlich günstiger. Wir können diesen Trend stärken indem wir unser Konsumverhalten entsprechend ausrichten. Und wir können die Partei unterstützen, die in unserem Sinne handelt und Politiker dazu auffordern, das zu tun, was sie versprochen haben (vor den Wahlen waren plötzlich fast alle Parteien «grün»). Wer zudem auch noch über genügend finanzielle Mittel verfügt, kann natürlich auch in die Bereiche investieren, die einen Wandel fördern. Das Einzige, was nicht hilft, ist abwarten und hoffen, dass Andere genügend tun.
Damit es nicht weiter geht wie bisher ist ein Zusammenschluss der zukunftsgerichteten Kräfte wichtig: Je mehr Unterstützung die Grüne Partei erhält, desto mehr kann sie verändern. Bist du auch dabei, 2020 mit uns noch nachhaltiger und grüner zu machen?

 

Gastbeitrag von Renato Pichler (Vielen Dank für die Zusammenstellung!)
Mitglied Grüne Winterthur
Präsident Swissveg

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