Fracking: Umstrittenes Erdgas aus Zürcher Boden

Mi 11.02.15

Auf dem Boden des Kantons Zürich im Weinland will die Seag mittels Fracking nach Erdgas bohren. Damit wird unser Grundwasser gefährdet und somit der Profit einer Firma über das Wohl von Mensch und Tier gestellt. Der Kantonsrat entscheidet in den kommenden Monaten darüber, ob Fracking in Zürich verboten werden soll.

 Fracking ist ein Verfahren zur Förderung von Erdgas, welches entwickelt wurde, um da Gas zu fördern, wo es nicht konventionell gewonnen werden kann, weil das Gas in Gesteinsschichten eingelagert ist. Dabei wird mittels einer Tiefenbohrung durch die Grundwasserschicht eine Bohrlösung mit Hochdruck in den Boden gepresst. Diese besteht aus einem hoch toxischen und nicht deklarierten Chemikalien-Cocktail. Der Wasserverbrauch dabei ist immens.

Die Kontaminierung des Grundwassers kann bei dem Verfahren nicht ausgeschlossen werden. Ein Teil der verwendeten Chemikalien verbleibt unkontrolliert im Boden, während der Rest davon wieder austritt und zu einem Problem wird. Sowohl der Weg durch den Boden, das Verladen und Transportieren als auch die Entsorgung des Gefahrengutes ist aufwändig und störungsanfällig. Bei einem Austritt der Lösung aus dem System wird das Grundwasser vergiftet und kann nicht mehr als Trinkwasser oder zur Bewässerung der Felder genutzt werden. Die verwendeten Chemikalien gelten als hormonaktiv, giftig für Mensch und Tier, erbgutverändernd, schädlich für Fortpflanzung und krebserregend. Bei der Bohrung kann ausserdem Methan in die Atmosphäre entweichen, wo es sich 21 Mal klimaschädlicher als CO2 auswirkt. Wie alle Bohrungen kann auch Fracking Erderschütterungen verursachen.

Die Westschweiz sagt Nein!

In den Kantonen Genf, Waadt, Freiburg, Neuenburg und Bern wurde wegen ökologischer Bedenken bereits ein Verbot oder Moratorium gegen Fracking beschlossen. Die Meinungen, ob überhaupt nennenswerte Gasvorkommen vorhanden sind, gehen stark auseinander.

Seit einiger Zeit liebeäugelt die Firma Seag (Schweizer Erdöl AG) damit, im Zürcher Weinland mittels Fracking Erdgas zu fördern. Die Seag hat bisher nur mit fossiler Energie gehandelt, kann in der Förderung aber keinerlei Erfahrung aufweisen. Sie war über fünfzig Jahre im Besitz einer Schürfkonzession, die Ende 2013 auslief und nicht erneuert wurde. Die Pläne für Probebohrungen der Seag im Zürcher Weinland, die 2014 hätten beginnen sollen, mussten somit auf Eis gelegt werden.

Am zweiten Juli 2014 wurde von den Grünen Daniel Heierli, Martin Neukom und Urs Hans im Kantonsrat Zürich eine Motion eingereicht, die das Verbot von Fracking im Kanton fordert. Zur Unterstützung dieser Motion sammeln Freiwillige der Regionalgruppe Winterthur von Greenpeace Unterschriften in der Bevölkerung.

Und der Kanton Zürich?

Wie die Abstimmung innerhalb des Kantonsrates schliesslich entschieden wird – und ob wir Zürcher mit den Risiken des Frackings werden leben müssen, steht noch in den Sternen. Tatsache ist aber, dass wir es selber in der Hand haben. Die kantonalen Wahlen stehen vor der Türe. Eine Stimme für die Grünen ist in jedem Fall eine Stimme gegen Fracking. Lassen wir uns nicht von wirtschaftlichem Profit unsere Lebensgrundlagen nehmen.

 

Winterthurer Stadtanzeiger, grünpunkt, 10.2.2015, von Regula Sterchi, Kantonsratskandidatin Grüne Winterthur, Gewerkschaftssekretärin und Aktivistin