Bier, andere Lebensmittel und Glyphosat

Di 21.06.16

Wenn Sie diesen Titel lesen und denken, da will mir ein Grüner mein Bier mit einer Umwelt-Gruselgeschichte verderben, dann lesen Sie jetzt weiter. Vorab: Ich will niemandem das Bier verderben. Dennoch ist es wichtig zu wissen, dass tatsächlich im Bier – aber auch in vielen anderen Lebensmitteln – Glyphosatrückstände gefunden wurde.

Glyphosat ist als Wirkstoff in einer ganzen Reihe von Unkrautvertilgungsmitteln enthalten. In der Schweiz werden jährlich 280 bis 350 Tonnen Glyphosat versprüht, rund 20 Prozent davon von Hobbygärtnern. Es ist das meistverwendete Unkrautvertilgungsmittel. In der klassischen Landwirtschaft werden glyphosathaltige Unkrautvertilgungsmittel (wie z.B. Roundup von Monsanto) verwendet um vor der Aussaat der Kulturpflanze Unkraut grossflächig abzutöten. Glyphosathaltige Unkrautvertilgungsmittel werden auch mit gentechnisch verändertem Saatgut kombiniert. Dadurch wird der Bauer gezwungen sowohl Saatgut als auch Unkrautvertilgungsmittel vom selben Produzenten zu beziehen.

Allerdings treten auch immer mehr Resistenzbildungen auf. Als Antwort darauf versprach Monsanto - der Produzent von Roundup – demnächst eine potentere Giftmischung auf den Markt zu bringen. Glyphosathaltige Unkrautvertilgungsmittel werden auch eingesetzt um unerwünschte Bäume, Gräser und Sträucher aus öffentlichen Anlagen und Wäldern zu entfernen oder um in Südamerika illegale Kokafelder zu vernichten.

Die WHO warnt vor Glyphosat

Seit das Krebsforschergremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat letztes Jahr als «wahrscheinlich krebserregend» taxiert hat, streiten Fachleute darüber, wie gefährlich glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel sind. 

Glyphosat ist in unsere Nahrungskette gelangt

In der Schweiz wurden in rund 40 Prozent der Urinproben Glyphosatrückstände gefunden. Das Pflanzengift ist somit in unsere Nahrungskette gelangt. Nach zahlreichen erfolglosen Vorstössen von Grünen will der Nationalrat nun endlich mehr wissen. Er hat darum den Bundesrat am 8. Juni 2016 beauftragt einen Bericht über Glyphosatrückstände in Lebensmitteln und Futter zu verfassen.

Wir wollen mitreden

Sie fragen sich, warum sollen wir Laien uns in diesen Expertenstreit einmischen? Die Antwort ist einfach: Wir sind alle betroffen. Wir konsumieren alle täglich Lebensmittel! Gerade bei Lebensmittel können wir nicht warten, bis die Wissenschaft sich einig ist. Für mich ist klar, ein Wirkstoff gehört nicht in Lebensmittel, solange nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist, dass er unbedenklich ist. Alles andere ist ein Spiel mit dem Feuer. Mit Unkrautvertilgungsmittel werden ohnehin nur die Symptome einer verfehlten Landwirtschaft bekämpft. Das Hauptproblem sind die grössflächigen Monokulturen, welche verantwortlich sind für die Erosion, den Schädlingsbefall und die Nährstoffverarmung der Böden.

Welche Zutaten für die Bierproduktion verwendet werden können, steht im deutschen Reinheitsgebot. Sie können selber raten, ob Glyphosat dazu gehört oder nicht. Natürlich gibt es auch andere Zutaten, mit denen gutes Bier gebraut werden kann. Zum Beispiel Kirschen, Himbeeren, Kräuter, Dinkel, Hirse oder Honig. Aber Glyphosat gehört definitiv nicht dazu.

Wie gesagt, ich will niemandem das Bier verderben. Trotzdem ein Bier ohne Glyphosat ist nicht nur gesünder, es schmeckt einfach besser. 

Winterthur, 21.06.2016, ​Christian Griesser, Gemeinderat und Fraktionspräsident Grüne