Grüne Wirtschaft

Di 26.07.16

Abfall

Haben Sie das Spektakel Sektor1 von Karl‘s kühne Gassenschau in Hegi auch gesehen? Und sich allenfalls Gedanken gemacht über Abfallberge, die’s vom Himmel regnet? Völlig unrealistisch, haben Sie vielleicht gedacht. Das Stück handelt in einer unbestimmten Zukunft und soweit wird es in der Schweiz nie kommen. Schliesslich leben wir vorbildlich und schiessen unseren Abfall nicht ins All. Wir sammeln die eine Hälfte getrennt nach Stoffklassen wie Papier, Glas, PET und Kompost und verbrennen die andere „unbrauchbare“ Hälfte in der KVA. Diese „unbrauchbare“ Hälfte besteht zu einem Grossteil aus Kunststoffverpackungen. Könnten diese allenfalls auch anders als durch Verbrennung wiederverwertet werden? Umliegende Länder machen es vor: Wir könnten diese Abfälle ebenfalls sammeln und nach Stoffklassen auftrennen und erneut Kunststoffe und in der Folge Produkte daraus herstellen, wie dies ja bereits mit PET-Flaschen geschieht. Wir könnten diese Kunststoffe in einen Werkstoffkreislauf einspeisen, und damit unseren Erdölverbrauch für die Herstellung von Produkten vermindern. Damit erreichen wir einen geschlossenen Stoffkreislauf. In der Schweiz werden vom Kunststoff gerade mal 11% gesammelt und wiederverwertet. Da gibt es also ein grosses Potential zum nachhaltigeren Umgang mit der Ressource Erdöl.

Energie

Sehr düster sieht es in der Schweiz auch mit dem Energieverbrauch aus. 75% stammt aus fossilen Quellen (Erdöl, Benzin, Erdgas). Das Erdöl kann genau einmal verbrannt werden. Daraus entsteht CO2, das unsere Erde über kurz oder lang massiv erwärmt und den Klimawandel bewirkt, den wir alle längst spüren. Laut dem Pariser Klimaabkommen müssen wir bis zum Jahr 2050 unseren CO2-Ausstoss vollkommen kompensieren. Dies kann nur mit Energieeffizienz und einem Umstieg von fossilen Energiequellen auf erneuerbare Energiequellen gelingen. In der Schweiz sind die Bemühungen im Vergleich zum umliegenden Ausland bisher sehr zaghaft. Deutschland als Beispiel ist vorbildlich in der Förderung erneuerbarer Energien. An Pfingsten 2016 wurde in Deutschland erstmals für kurze Zeit nahezu der gesamte Strombedarf aus Solar-und Windstrom gedeckt. Der Aufbau einer erneuerbaren Energieversorgung benötigt Forschung, Innovation und Investitionen. Bisher sind die Bemühungen in der Schweiz in diese Richtung äusserst bescheiden. Wir müssen den Aufbau eines intelligenten Energiesystems, das Stromerzeuger, Speicher, Verbraucher und Netze optimal verbindet und steuert, unbedingt vorantreiben, um die gesetzten Klimaziele zu erreichen.

Lebensmittel

Haben Sie auch schon mal die Inhaltsangaben auf den Gutzlipackungen genau studiert? Welche Zutat hat es in praktisch jedem in der Schweiz produzierten Gutzli (und in der Hälfte aller Produkte, die im Supermarkt gekauft werden können)? Richtig, Palmöl. Haben Sie sich auch schon mal Gedanken darüber gemacht, wo und wie das Palmöl, das wir in so vielen Produkten finden, produziert wird? Es wird in den Tropen produziert, hauptsächlich in Indonesien und Malaysia, zunehmend auch in afrikanischen und südamerikanischen Tropenländern. Häufig werden dafür wertvolle Tropenwälder abgeholzt, zahlreiche Arten verlieren ihre Lebensgrundlage. Durch die Brandrodung und die Trockenlegung von Sumpfwäldern werden zusätzlich grosse Mengen von CO2 freigesetzt und Chemikalien verseuchen den Boden. All dies möchte ich mit meinem Lebensmittelkonsum nicht unterstützen. Ich möchte eigentlich lieber Öl aus umweltfreundlicher einheimischer Produktion statt fragwürdig produziertes Palmöl essen, habe aber keine Wahl.

Fazit

Dies alles sind Themen der sogenannt Grünen Wirtschaft. Ende September werden wir in der Schweiz die einmalige Chance haben, über ein Gesetz abzustimmen, das die Kreislaufwirtschaft fördert. Ich persönlich möchte nicht weiter auf Kosten kommender Generationen leben und werde deshalb mit Überzeugung am 25.9.2016 Ja stimmen zu einer nachhaltigeren, lebenswerten Zukunft auch für unsere Kinder und Kindeskinder: Ja zur Grünen Wirtschaft.

 

von Doris Hofstetter, Gemeinderätin --  erschienen als Grünpunkt im Stadtanzeiger (26.7.16)