Weniger hat mehr Zukunft

Di 16.08.16

Unser Einfluss auf die Umwelt wird überall und immer deutlicher erkennbar. Auch in der Schweiz übernutzen wir die Erde massiv, der ökologische Fussabdruck ist längst nicht mehr nachhaltig. Was tun, damit auch unseren Enkeln noch genug übrigbleibt?

Fauna und Flora auf unserem Planeten kommen immer mehr unter Druck: Hunderte, vielleicht sogar tausende von Arten verschwinden jährlich auf Nimmerwiedersehen. Zum Beispiel das Breitmaulnashorn, der weisse Hai oder der Amsterdam-Albatros, drei der bekannteren Tierarten, die unmittelbar vor dem Aussterben stehen. Ein Drittel der heute etwa 80'000 erfassten Arten gelten laut der Weltnaturschutzunion als bedroht, viele Tausende davon akut.

Auf rund 1° Celsius beläuft sich die Erwärmung der Erde seit Beginn des letzten Jahrhunderts. Und dies nachdem zuvor über einen Zeitraum von gut 1000 Jahren absolut stabile Bedingungen herrschten. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre ist seit dem vorindustriellen Wert um 40% angestiegen und liegt höher als je in den vorangegangen 100'000 Jahren.

Es gibt keine ernsthaften Zweifel mehr: Die Auswirkungen sind auf menschliche Einflüsse aus der jüngsten Zivilisationsgeschichte zurückzuführen. Zum einen führt die Übernutzung von Ressourcen und natürlicher Lebensräume zu massivem Druck auf die Biosphäre. Zum anderen ist die Verbrennung der fossilen Energievorräte für den beobachteten CO2- und Temperaturanstieg verantwortlich. Man könnte die Liste der gravierenden Einflüsse auf die Natur fast beliebig verlängern, nur ein Beispiel noch: Im Zentrum des atlantischen Ozeans dreht sich eine zweifelhafte Insel aus Plastikmüll im Kreis. Ein Gebilde, das unterdessen die Fläche von halb Europa erreicht hat. Der natürliche Abbau der Kunststoffe dauert Jahrtausende. Abermillionen von Tonnen des Erdölabfalls gelangen immer mehr als feinste, aber hochtoxische Partikel in die Mägen von Fischen und anderen Seetieren. Schwer verdauliche Kost, die wir den Meereslebewesen da zumuten!

Heisszeit im Anmarsch

Die zunehmende Beeinträchtigung der Biosphäre beruht letztlich auf der Verfügbarkeit von fast beliebig viel Energie in der Form fossiler Brennstoffe. Mächtigster Treiber davon ist zweifellos das Erdöl, Segen und Fluch der industriellen Revolution zugleich. Wir haben begonnen unsere Erde in historisch nie dagewesenem Ausmass umzugestalten, ja geradezu umzupflügen: Die Menschheit hat ihr bisher grösstes, erstmals global wirkendes Experiment gestartet.

Bei künftig ungebremster Ausbeutung der fossilen Ressourcen (ja, es hat noch viel davon) laufen wir höchstes Risiko, den Planeten innerhalb der nächsten erdgeschichtlichen Sekunde einer veritablen Heisszeit zuzuführen. Die uns heute bekannte Welt existierte so nicht mehr. Von welcher Grössenordnung das ist, zeigt der historische Rückblick: Seit der letzten Eiszeit vor rund 20'000 Jahren stieg die Temperatur um lediglich 4° Celsius an. Eine Anhebung um nochmals diesen Betrag, es könnte allerdings gut auch noch mehr werden, hätte es seit Jahrmillionen nicht mehr gegeben!

2°-Brandmauer und Grüne Wirtschaft

 «Weniger hat mehr Zukunft». Es muss und kann gelingen, diesen Prozess noch so zu bremsen, dass die Natur nicht völlig aus den Angeln gerät. Insbesondere sollte die Übernutzung der fossilen Ressourcen eingedämmt werden, damit die «Brandmauer der 2°-Klimaerwärmung» («Selbstverbrennung», H.J. Schellnhuber, 2015) nicht durchbrochen wird. Das hat auch der letztjährige Klimagipfel in Paris unmissverständlich festgehalten. Wer das anerkennt, sagt deshalb auch JA zum Ziel einer grünen, sprich ökologischeren Wirtschaft, über die wir in der Schweiz am 25. September abstimmen: Mehr lokale Kreisläufe, Ressourcenschonung und Emissions-Reduktion. Damit auch künftige Generationen auf diesem Planeten noch die gleichen Chancen auf ein lebenswertes Leben haben wie wir heute.

 

Reto, Diener, Gemeinderat, publiziert im Stadtanzeiger am 16.8.2016