Polizeigebäude einsparen?

Di 08.11.16

Spare in der Zeit, so hast du in der Not. Diese Tugend ist tief in uns Schweizerinnen und Schweizern verankert – durchaus zu recht. Allerdings wird es heikel, wenn das Sparen zum Selbstzweck verkommt. Wird der richtige Zeitpunkt verpasst, in die Zukunft zu investieren, so wird es sehr schnell viel teurer. Ein Beispiel dazu ist das neue Polizeigebäude an der Obermühlestrasse, kurz «POM».

Dabei traure ich nicht den Entscheiden nach, die in den letzten Jahrzehnten immer wieder gegen ein neues Gebäude ausgefallen sind. Heute sollten wir in die Zukunft schauen und ganz nüchtern betrachten, warum die 82 Millionen Franken gut investiertes Geld sind. Vielleicht dünkt es Sie merkwürdig, werte Leserschaft, dass ausgerechnet ein Grüner eine Lanze für die Polizei bricht? Schliesslich hatten die Grünen im Parlament die Aufstockung des Polizeikorps noch abgelehnt. Die Stimmbevölkerung hat vor vier Jahren mit einer deutlichen 75-%-Mehrheit klar für eine Ausweitung des Korps gestimmt.

Unhaltbare Situation

Schon mit dem heutigen Bestand ist der Standort Obertor völlig überbelegt. Die Arbeitsplatzsituation ist eigentlich unhaltbar. Weil ich der festen Überzeugung bin, dass die Stadt Winterthur ein fortschrittlicher Arbeitgeber sein sollte, wären nur schon diese Zustände Grund genug, eine neues Gebäude zu erstellen.

Doch die Räumlichkeiten sind nicht nur zu klein, sondern auch in einem bedenklichen Bauzustand. Weil immer wieder damit gerechnet wurde, endlich in einen Neubau ziehen zu können, wurden Sanierungen aufgeschoben. Wird das POM also erneut abgelehnt, sind Sanierungsmassnahmen zwingend. Auch diese kosten viel Geld, bringen aber nur wenig zur Entlastung der Mitarbeitenden.

Der Standort am Obertor ist strategisch denkbar ungünstig: In einer autofreie Altstadt sind Notfall-Einsätze mit Blaulicht ein schwieriges Unterfangen. Die Polizei verliert in der Altstadt wertvolle Sekunden.

Das schlimmste allerdings ist die nicht vorhandene Trennung zwischen Opfern und Tätern. Es kommt öfter vor, dass ein mutmasslicher Täter seinem Opfer auf dem Gang begegnet: Der Täter auf dem Weg in die Haftzelle, das Opfer unterwegs zur Aussage im Vernehmungszimmer. Für beide Seiten eine ausgesprochen unangenehme Situation.

Ökologie

Es schleckt keine Geiss weg, das POM erhält keine Goldmedaille für einen besonders umweltfreundlichen Betrieb. Das liegt im Wesentlichen an zwei Dingen: a) Die Polizei arbeitet an 24 Stunden jeden Tag und b) die Fenster sind so konstruiert, dass man sie aus Sicherheitsgründen nicht öffnen kann. Das führt zu grossen Anforderungen an die Technik für das Raumklima. Sie ist der Hauptgrund, warum die Vorgaben der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich nicht eingehalten werden können. Der Rest ist aber vorbildlich gelöst: Gebäudehülle, Nutzung der Brauchwasserwärme etc. Das POM ist ökologisch nicht perfekt, erreicht aber gute Werte und ist um ein Vielfaches besser als das alte.

Viel Geld

Ja, 82 Millionen Franken sind viel Geld. Wenn wir davon ausgehen, dass dieses neue Gebäude die nächsten 50 Jahre seinen Dienst tut, so entspricht das einer Summe von 1.6 Millionen pro Jahr (ohne Zinsen). Der Polizeibetrieb hat uns 2015 netto 26 Millionen gekostet. Wir sprechen also von einer Erhöhung der Polizeikosten im Bereich von 6 % für das POM. Dabei sind mögliche Synergien mit der Feuerwehr, bessere Kommunikationswege und ein tieferer Energieverbrauch noch nicht berücksichtigt.

Die Stimmbevölkerung hat sich klar für mehr Polizei ausgesprochen; dass dies nicht gratis zu haben ist, dürfte allen Befürwortern klar gewesen sein. Machen wir also Nägel mit Köpfen und stellen dem Korps auch die geeigneten Arbeitsplätze zur Verfügung – je länger wir warten, desto teurer wird es.

Winterthur, 8. November 2016, Jürg Altwegg, Stadtratskandidat