Zweimal NEIN zu Privatisierung von KSW und ipw - damit Gesundheit wichtiger bleibt als Profite

Do 06.04.17

Spitäler sollen wirtschaftlich arbeiten, aber nicht profitorientiert

Stellen Sie sich vor, dass in 7 Jahren ihre 5-jährige Tochter Melanie an einem Samstagabend plötzlich über heftige Bauchschmerzen klagt. Sie vermuten eine akute Blinddarmentzündung. Deshalb fahren Sie mit ihr ins Kantonsspital Winterthur KSW, wie Sie das bei dringenden Notfällen mit Melanies älteren Geschwistern in den letzten Jahren auch immer gemacht hatten. Dort wird Ihnen mitgeteilt, dass die Kinderklinik leider seit einem Jahr geschlossen sei und Sie für die Behandlung Ihrer Tochter Melanie ins Kinderspital in Zürich fahren müssten. Sie fragen nach den Gründen für das Schliessen der Kinderklinik. Sie erfahren, dass andere Bereiche des KSWs wesentlich mehr Gewinn erwirtschaftet hätten und das Spital sich deshalb auf diese anderen Bereiche konzentriere. Dies ein hypothetisches Szenario, falls die Vorlage zur Privatisierung des KSWs am 21. Mai 2017 von der Zürcher Bevölkerung angenommen wird. Wenn Spitäler Gewinn erwirtschaften müssen – und das ist Sinn und Zweck jeder Privatisierung – setzt dies völlig falsche Anreize. Das Spital wird sich auf die Behandlung von sogenannten guten Risiken und die Durchführung von lukrativen Eingriffen konzentrieren, da so mehr Profite erwirtschaftet werden können. So sind zum Beispiel zusatzversicherte Patienten und Patientinnen sehr interessant, da das Spital mit ihnen grosse Gewinne erzielen kann. Grundversicherte hingegen werden die Verlierer dieser Privatisierungsvorlagen sein, da die Spitäler mit ihnen allenfalls sogar Verluste in Kauf nehmen müssen. Zurück zu meinem Beispiel: Kinder sind in der Regel grundversichert, weshalb das Spital mit ihnen keine grossen Gewinne erwirtschaften kann.

Sparen beim Personal

Die Reduktion der Ausgaben eines Spitals geschieht am einfachsten durch Sparmassnahmen beim Personal,  da ungefähr zwei Drittel der Ausgaben eines Spitals auf Personalkosten entfallen. Das bedeutet, dass durch Einsparungen bei der Qualifikation des Personals und seiner Ausbildung sowie bei den Arbeits-und Anstellungsbedingungen sehr viel eingespart werden kann. Die Ausbildung besitzt im KSW bisher einen sehr hohen Stellenwert. So ist das KSW neben der Ausbildung von Pflegepersonal auch eines der wichtigsten Spitäler des Kantons Zürich in der Weiterbildung von Ärzten und Ärztinnen zu Fachärzten, insbesondere auch zu Haus-und Kinderärzten. Ich befürchte, dass mit einer Privatisierung die hochstehende Ausbildung am KSW ihren Stellenwert verlieren wird und hauptsächlich am Universitätsspital Zürich stattfinden wird, das wegen der dort vorherrschenden hochspezialisierten Medizin für Haus-und Kinderärzte nicht besonders gut geeignet ist.

 „Unser“ KSW

Das Kantonsspital Winterthur ist ein Zentrum der regionalen Gesundheitsversorgung. Als grosser Arbeit­geber in Winterthur und der Region bietet es viele Arbeits- und Ausbildungsplätze. Das Spital ist auch ein wichti­ger Auf­trag­geber für das regionale Gewerbe. Unser Spital muss unser Spital bleiben. Allfällige Gewinne sollen der Bevölkerung der Region Winterthur durch verbesserte Behandlungsangebote und den Mitarbeitenden durch verbesserte Arbeitsbedingungen zugutekommen und nicht an irgendwelche Investoren und Aktionäre abfliessen.

Wenn auch Ihnen wichtig ist, dass das KSW weiterhin die medizinische Grundversorgung aller Menschen der Region Winterthur sicherstellt, stimmen auch Sie am  21. Mai 2017 zweimal Nein gegen die Privatisierungsvorlagen von KSW und ipw. Ich werde es bestimmt tun.

6. April 2017, Dr. med. Doris Hofstetter, Anästhesistin FMH, Gemeinderätin Winterthur