Frühlingsduft in der Nase: mit dem Velo sicher durch Winterthur

Do 05.04.18

Haben sie ihr Velo diesen Frühling schon aus dem Keller geholt und sind damit durch Winterthur gefahren, mit dem Duft des Frühlings in der in der Nase, leichtherzig und glücklich? Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was das Velofahren für Sie persönlich, aber auch für uns als Gesellschaft bedeutet? Velofahren ist gesund und wer regelmässig mit dem Velo fährt, ist schlanker und lebt länger. Velofahren ist die energieeffizienteste Art der Fortbewegung und macht weder Lärm noch Abgase. Das Velo als platzsparendstes Verkehrsmittel überhaupt schont unsere Ressourcen und unseren Lebensraum. Wer sicher mit dem Velo unterwegs sein kann spart in der dicht überbauten Schweiz kostbaren Raum. Als Versicherte sparen wir mit ausgebauten Fahrradwegen Gesundheits-und Unfallkosten, als Steuerzahler Infrastrukturkosten. Fahrradinfrastruktur ist deutlich kostengünstiger als der Bau von Strassen für Motorfahrzeuge. Attraktive und durchgängige Velowege führen dazu, dass immer mehr Menschen aufs Velo umsteigen.

Ich empfehle allen, die einmal spüren möchten, wie es sich anfühlt, eine Velofahrerin unter Tausenden zu sein, einen Besuch von Amsterdam oder Kopenhagen. Es ist herrlich, zusammen mit vielen anderen Gleichgesinnten über breite Velowege zu flitzen und rasch und sicher von A nach B zu gelangen und sich auch noch gleichzeitig sportlich zu betätigen. Auch Kinder und Jugendliche lieben die Bewegung und fahren gerne Velo. Es bietet ihnen Unabhängigkeit und Flexibilität. Besonders Kinder und ältere Menschen brauchen aber sichere Verkehrswege, ansonsten verzichten sie auf das Velo.

Aus all diesen Gründen wurde am 1. März 2016 von den unterschiedlichsten Veloverbänden die Veloinitiative eingereicht, die die Velowege mit den Fuss-und Wanderwegen in der Verfassung gleichstellen möchte. Der Bund soll die Grundsätze für Velowegnetze analog den Fuss-und Wanderwegen festlegen und Fördermassnahmen unterstützen. In der Märzsession des National-und Ständerates wurde der Gegenvorschlag des Bundesrates überwiesen und schon bald wird es eine eidgenössische Abstimmung über den Veloartikel geben. Damit ist der Grundstein für ein durchgängiges Velonetz in der Schweiz gelegt.

Eine gute Veloinfrastruktur ist wichtig für die Sicherheit der Velofahrenden und der Fussgänger. Die Anzahl der Schwerverletzten und getöteten Velofahrer hat sich seit 1980 nicht einmal halbiert, im Gegensatz zu den Autofahrern wo diese Zahl nur noch ein Siebtel des Wertes von 1980 beträgt. Oder anders ausgedrückt: Das Risiko, sich schwer zu verletzten, ist mit keinem anderen Verkehrsmittel höher. So gab es zum Beispiel in der Stadt Zürich letztes Jahr 110 Schwerverletzte Velofahrer, 65 schwer verletzte Fussgänger und nur 13 schwerverletzte Autofahrer. Besonders bedenklich: Die Zahl der Unfälle stieg massiv stärker an als die Zunahme der Velofahrer. Das heisst für mich, dass Velofahrer auf den Strassen viel zu wenig Schutz erhalten.

Damit sich die Winterthurer mit dem Velo auf den Strassen sicher fühlen, braucht es ein durchgängiges Velonetz mit Velobahnen, die die Quartiere mit der Innenstadt und untereinander verbinden. Diese Massnahmen sind viel zielführender als die kürzlich im Nationalrat eingereichte Motion, die höhere Bussen für Velofahrer fordern, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten. Es gibt bei allen Verkehrsteilnehmern Rowdys, die sich nicht an die Regeln halten. Gefährdet durch diese Gesetzesüberschreitungen sind aber die schwächsten Verkehrsteilnehmer, nämlich die Fussgänger und die Velofahrer selbst. Schützen wir sie mit sicheren Velo-und Fusswegen. Dies macht unsere Stadt lebenswerter und sicherer.

Winterthur, 5. April 2018, Dr. med. Doris Hofstetter, Anästhesistin FMH, Gemeinderätin Grüne