Ja zu Fair-Food, weil du bist, was du isst!

Do 05.07.18

Im September stimmen wir über die Fair-Food-Initiative ab. Die Initiative befasst sich mit der Herstellung, dem Transport, der Lagerung und dem Verkauf von Lebensmitteln.

Ein Teilaspekt der Initiative sind die immer grösser werdenden Tierfabriken. Die Landwirtschaft hat sich vielerorts von einer kleinteiligen, regionalen Landwirtschaft zu einer industriellen Landwirtschaft gewandelt. In den meisten Ländern, aus denen die Schweiz Fleisch importiert, existieren riesige Tierfabriken. Die gesetzlichen Regelungen lassen industrielle Mastbetriebe zu. Die grössten Schweinefabriken in Europa haben Platz für zehntausende Tiere. In der Geflügelzucht gibt es Anlagen für eine Million Hühner. Eng zusammengepfercht und ohne Auslauf oder Tageslicht aufgewachsen, leiden sie unter Stress, Krankheiten und Verletzungen. Um Seuchen abzuwenden, werden die Tiere intensiv mit Antibiotika behandelt. Die Tierkotausschüttungen und Medikamentenrückstände der Tierfabriken verursachen zudem starke Boden- und Gewässerverschmutzungen. Nach der Mast werden sie häufig quer durch Europa transportiert, um in grossen Schlachtzentralen möglichst günstig geschlachtet zu werden.

Die Schweiz kennt beim Tierschutz in vielen Bereichen höhere Standards als andere Länder. So sind zum Beispiel Bestandesobergrenzen bei der Nutztierhaltung festgelegt, die Käfighaltung von Geflügel verboten oder die Dauer von Tiertransporten auf maximal sechs Stunden begrenzt. Das Tierschutzgesetz wie auch gezielte Förderprogramme haben bisher verhindert, dass sich Tierfabriken etabliert haben, wie sie in den meisten Exportländern vorgefunden werden. Auch wenn die gesetzlichen Mindestanforderungen teilweise Lücken aufweisen und es Mängel bei der Umsetzung gibt, erfüllen viele Betriebe durch vom Bund geschaffene Anreize höhere Anforderungen für das Tierwohl.

Trotzdem landen auch in der Schweiz Fleisch und Eier aus Tierfabriken in den Verkaufsregalen. Insbesondere bei importierten Fertigmenüs und verarbeiteten Produkten. Restaurants und Kantinen verwenden teilweise Fleisch von bedenklicher Qualität. In der Regel werden vorgefertigte Produkte, sogenannte Convenience-Lebensmittel eingesetzt, bei denen der Nahrungsmittelhersteller die ganze Verarbeitung übernimmt. So wird zum Beispiel in Europa ein grosser Teil der in Restaurants servierten Schnitzel in wenigen Grossfabriken produziert. Die Nahrungsmittelhersteller präparieren die Panade so, dass beim Braten Blasen entstehen. Das Schnitzel soll den Eindruck erwecken, der Koch habe es eigenhändig paniert. Dabei hat er lediglich ein undercover Schnitzel in die Bratpfanne geworfen, das vorher quer durch Europa gekarrt wurde. Herkunft und Produktionsmethoden werden nicht deklariert und lassen sich kaum nachverfolgen.

Mit der Fair-Food-Initiative wird die Deklaration transparenter. Davon profitieren die Tiere und die Konsumentinnen und Konsumenten.

In der Schweiz sollen grundsätzlich nur Esswaren in den Verkauf gelangen, die mindestens nach den hier geltenden Umwelt- und Tierschutznormen sowie unter Einhaltung von fairen Arbeitsbedingungen produziert wurden. Also kein Import von Fleisch aus Massentierhaltung, keine Batterieeier und auch keine Tomaten, die von Angestellten geerntet werden, die kaum etwas verdienen oder sich bei der Arbeit mit Pestiziden vergiften.

Legen Sie Wert auf gute Lebensmittel. Denn das Sprichwort sagt: Du bist, was du isst. Darum Ja zur Fair-Food-Initiative.

Winterthur, 5. Juli 2018, Christian Griesser, Fraktionspräsident und Gemeinderat