Sommerhitze und Klimaerwärmung

Do 16.08.18

Beschleunigtes Abschmelzen der Gletscher, ausgetrocknete Böden, verminderte landwirtschaftliche Erträge, absterbende Bäume, aufgeheizte Flüsse und verendende Fische, Waldbrandalarm, aber auch heftigste Gewitter und Überschwemmungen: die Liste der jüngsten Ereignisse ist längst nicht abschliessend. Zudem hatte uns besonders in der Stadt die Sommerhitze fest im Griff. Über Wochen waren Tagestemperaturen von 30 Grad und mehr schon fast zum Normalfall geworden. Viele, die draussen arbeiteten, waren von starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen betroffen. Normalfall? Vielleicht noch nicht ganz, aber das Aufheizen der Atmosphäre geht mit fast ungebremstem Tempo weiter. Gemäss allen Prognosen werden solche Sommer künftig eher zum Regelfall gehören als nicht.

Die Klimaerwärmung ist nicht mehr zu leugnen. Auch wenn es noch immer Kreise gibt, welche den verzweifelten Versuch unternehmen, den minimalen Anteil der klimawirksamen Gase in der Atmosphäre als Beweis anzuführen, dass nicht sein kann was nicht sein darf. Als wenn die Physik sich lediglich an die Statistik von Molekülen hielte!  Die Treibhausgaswirkung von CO2 (im Gegensatz zu Sauerstoff und Stickstoff) wurde schon so viele Male auch im Labor bewiesen, dass man nur zur Kenntnis nehmen kann, was sich gerade eben vor unseren Augen abspielt.

Es geht immer schneller

Ein Blick zurück in die Erdgeschichte zeigt allerdings auch, dass es weitere Einflüsse gibt, welche den Prozess beschleunigen und verstärken können. Anders sind die verschiedenen Heisszeiten der Vergangenheit kaum zu verstehen. Der „kleine“ Unterschied zum Heute ist lediglich, dass dieses Mal der Mensch die Dynamik in einem erdgeschichtlich nie dagewesenen Tempo selbst angestossen hat. Auslöser der verstärkenden Einflüsse sind die Kipp-Punkte, bei welchen ab einem bestimmten Wert der Veränderung die Entwicklung positiv rückkoppelt. Genau wie bei einer Lawine: Zu Beginn rollen nur ein paar Steine oder es kommt ein kleines Schneefeld zum rutschen. Damit löst sich weiteres Material, das bisher noch stabil lag und schon bald ist der Prozess kaum mehr zu bremsen. Ähnlich beim Klima: Die vom abschmelzenden Eis freigelegte Oberfläche reduziert die Rückstrahlung in den Weltraum, die auftauenden Böden und das erwärmte Meer setzen in rauen Mengen zusätzliches Klimagas frei, abgeholzte Wälder und vertrocknende Landschaften verringern die Rückspeicherung von CO2 und Wärmeenergie. Die Wissenschaft kennt unterdessen eine ganze Reihe solcher Mechanismen und warnt denn auch eindringlich davor. Im Sinne einer Vorsorge – das ist der klare Tenor dieser Erkenntnisse – sollten wir die Erwärmung nicht auch noch weiterhin selbst kräftig befeuern.

Jetzt auf die Alternativen umsatteln

Das wäre durchaus möglich. Bis spätestens um etwa 2050 muss der Neu-Eintrag der klimawirksamen Gase in die Atmosphäre über zwei Schienen kräftig reduziert werden: Erstens sollten wir die fossilen Energievorräte möglichst in der Erde lassen und zweitens ist die Welternährung unabhängiger von der Fleischproduktion zu gewährleisten. Für beides sind Alternativen auf dem Tisch. Nichts anderes hat sich die Staatengemeinschaft schon an der Klima-Konferenz von Paris im Jahre 2015 auf die Fahne geschrieben. Unterdessen wird aber immer deutlicher: Das Zeitfenster dazu schliesst sich beängstigend schnell. Deshalb sollten die bisher viel zu zögerlich ergriffenen Massnahmen zum Umstieg jetzt intensiviert und von uns allen mitgetragen werden. Das müsste es doch wert sein, nicht zuletzt auch zugunsten der künftigen Generationen.

Vertiefende Infos

Eine gute aktuelle Übersicht zu den Brennpunkten findet sich z.B. bei wissenschaft.de.
Oder im Blog von Stefan Rahmstorf.
Aktueller Artikel zum dringenden Handlungsbedarf im Tages-Anzeiger.
 

 

Reto Diener, Co-Präsident und Gemeinderat Grüne Winterthur, publiziert im Stadt-Anzeiger, Rubrik Grünpunkt.