Parkplätze sind für Staus verantwortlich!

Do 06.08.15

Zum Artikel vom 29. Juli: In Winterthur bleibt der Bus am häufigsten im Stau stecken

Die Überlastung unseres Strassensystems ist nicht nur ärgerlich, sie kostet auch echt viel Geld. Nicht nur die in der ZVV-Studie erwähnten Zusatzfahrzeuge, welche Stadtbus bereitstellen muss. Durch die Staus geht auch beim Gewerbe (beispielsweise bei Handwerkern) viel unproduktive Zeit die Eulach hinunter. Es ist schwer nachvollziehbar, weshalb noch immer nicht gehandelt werden will. Das Thema ist seit vielen Jahren bekannt. Es wird höchste Zeit, dass die innerstädtischen Verkehrsleistungen mit neuen Ellen gemessen werden. Nicht mit der Anzahl von Fahrzeugen, sondern mit transportierten Personen oder Gütern pro Stunde.

Die täglichen Staus und damit die Anliegen der Busbevorzugung hängen auch mit der neuen Parkplatzverordnung zusammen, über welche wir im Herbst abstimmen werden. Beides sind wichtige Massnahmen gegen die täglichen Überlastungen unserer Hauptstrassen. Wesentliche Gründe für die Staus sind weder die Busspuren noch die zum Schutz der Wohnbevölkerung eingeführten Beruhigungsmassnahmen (kein Kapazitätsabbau) und schon gar nicht die Velofahrer. Deren Anteil am Gesamtverkehr ist seit langem nicht mehr gestiegen.

Der wahre Grund liegt beim Homo Autofahrensis, der seinen fahrbaren Untersatz insbesondere zum täglichen Pendeln benützt, und dabei zumeist allein unterwegs ist. Übrigens: Ein recht hoher Anteil davon ist Binnenverkehr innerhalb der Stadt Winterthur selbst. Bis zu 40 Prozent des Fahrzeugvolumens auf den Hauptstrassen sind diesem Verkehr zuzurechnen. In den Sommerferien, wenn es einige Prozent weniger sind, kann jeder selbst sehen, was passiert: Die Staus sind wie weggeblasen. Und für den grossen Rest des Jahres? Die Busbevorzugung über geeignete Lichtsignalsteuerung einerseits ist eine einfache und kostengünstige Massnahme zur Förderung des effizienteren und umweltfreundlicheren Verkehrs. Ein Bus transportiert so viele Personen wie eine Autoschlange von mehreren Hundert Metern Länge. Das kann in Ausnahmefällen bedeuten, dass das eine oder andere Auto weniger über die Kreuzung gelangt. In der Regel profitiert indirekt aber sogar der private Autoverkehr davon.

Eine massvolle Beschränkung der Beschäftigtenparkplätze im Bereich der Zentrumsgebiete andererseits führt zum gewünschten Anreiz, damit dauerhaft weniger Autopendler unsere Strassen verstopfen und Ausweichverkehr die Quartiere belärmt. Dies ist ein zentraler Bestandteil der neuen Parkplatzverordnung. Auch diese Massnahme ist kostengünstig und belastet weder Stadtkasse noch Gewerbe, im Gegenteil: Neubau und Unterhalt von Immobilien werden günstiger. Der heutige Stadtverkehr zeigt deutliche Krankheitssymptome wie Staus, Ineffizienz, zu viele Emissionen und generell übernutzte Ressourcen. Um nur einige davon zu nennen. Sind wir für Massnahmen zur Kur bereit? Wenn nur schon 10 Prozent der Autopendler umsteigen, ist viel erreicht!

Reto Diener, Leserbrief im Landboten vom 6. August 2015