Quartierpatrouille in der Breite

Mo 05.12.16

Für die Sicherheit in der Stadt Winterthur gibt es neben der Stadtpolizei Winterthur mit ungefähr 200 Stellen und der Kantonspolizei, die in Winterthur am letzten Mittwoch eine grössere Filiale mit ungefähr 40 Mitarbeitenden eröffnet hat, neu im Breite-Vogelsangquartier auch die Quartier-Patrouille. Mit dem Slogan „Für mehr Sicherheit in unseren Quartieren“ möchte der Jungunternehmer Simon Obrist präventiv gegen Kriminelle wirken, indem er tägliche Quartierrundgänge mit Warnweste und Taschenlampe durchführt. Ich selber habe als Quartierbewohnerin des Quartiers Steglitobel vor ungefähr einer Woche ein Schreiben von ihm erhalten, worin ich aufgefordert wurde, mich an der Finanzierung dieser Quartierpatrouille, die beabsichtigt, die Quartiere in den Wintermonaten sicherer machen zu wollen, zu beteiligen. Die Kosten für die einzelnen Haushalte sind laut Schreiben abhängig von der Anzahl der mitbeteiligten Quartierbewohner: von 90 Fr pro Monat bei 60 Mitwirkenden bis zu 35Fr pro Monat bei 250 Mitwirkenden. Das ergibt dann eine Summe von mindestens 5400 Fr für den Jungunternehmer und selbsternannten Quartiersicherermacher.

Was mich dann wirklich gestört hat, ist ein beiliegendes Schreiben der Stadtpolizei, versehen mit dem Logo der Stadtpolizei, das dem Ganzen einen offiziellen Anstrich verleiht.

ich zitiere: Die Sicherheitspolizei der Stadt Winterthur begrüsst das Engagement der Quartier-Patrouille sehr. Die angestrebte Personenpräsenz und die vermehrte Aufmerksamkeit in den Winterthurer Stadtquartieren trägt dazu bei, Einbrüchen vorzubeugen. Denn die Polizei ist bei der Einbruchsbekämpfung auf die Mithilfe, insbesondere auf die Hinweise der Bevölkerung angewiesen etc.

Bei dieser Quartierpatrouille handelt es sich in den Augen der Fraktion Grüne/AL um eine privat finanzierte Bürgerwehr, die sich mit dem im Brief benutzten Logo der Stadtpolizei einen offiziellen Anstrich gibt. Wir finden es aber unlauter, dass die Ängste der Quartierbewohner vor Einbrüchen in der Winterzeit, die ja, wie ich aus eigener schmerzlicher Erfahrung von letzter Woche weiss, durchaus einen Realitätsbezug haben, für eigene finanzielle Zwecke instrumentalisiert werden. Es handelt sich dabei um die Finanzierung einer Privatperson, die täglich einmal mit einer Warnweste durchs Quartier spaziert mit dem Versprechen, dadurch die Sicherheit im Quartier zu erhöhen, garniert mit einem Empfehlungsschreiben der Stadtpolizei Winterthur.

Die Fraktion Grüne/AL ist überzeugt, dass die Stadtpolizei Winterthur zusammen mit der Kantonspolizei die richtige Adresse für Sicherheitsfragen in der Stadt Winterthur ist und dass es nicht zusätzlich eine von Privatpersonen finanzierte sogenannte Quartierpatrouille braucht, die sich mit dem Logo der Stadtpolizei Glaubwürdigkeit verschafft. Wir hoffen, dass mit der bewilligten Schaffung der zusätzlichen Stellen bei der Stadtpolizei die Präsenz der Polizei in den Quartieren verstärkt wird. Wir erwarten, dass sich die neuen Polizisten künftig nicht hinter den Bürotischen des neuen Polizeigebäudes verschanzen, sondern vielmehr mit physischer Anwesenheit, und zwar nicht nur durch die Kontrolle kiffender Jugendlicher in einschlägigen Parks, sondern auch durch vermehrte Präsenz in den Quartieren, für ein besseres  Sicherheitsgefühl in der Stadt Winterthur sorgen.

Wir stimmen der Einschätzung der Stadtpolizei zu, die sagt, ich zitiere aus dem Brief: Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Einbruchrate in den belebteren Quartieren generell niedriger ist.

Zur Belebung der Quartiere bevorzugen wir von der Fraktion der Grünen/AL Adventsfenster mit Umtrunk in den beteiligten Haushalten, die die Quartierbevölkerung auf die Strasse und zu den Nachbarn bringt und das Gemeinschaftsgefühl im Quartier fördert statt eine selbsternannte Quartierpatrouille, die sich, garniert mit dem Logo der Stadtpolizei, teuer bezahlen lässt.

Winterthur, 5. Dezember 2016, Doris Hofstetter, Gemeinderätin Grüne