Reparieren statt wegwerfen!

Di 07.04.15

Industrie-, Computer-, Informationszeitalter: Alle diese Namen wurden unserer Zeit schon gegeben; am treffendsten dürfte aber "Wegwerfgesellschaft" sein. Viele Dinge kosten heute kaum mehr etwas, so z.B. Computer, Telefone, Fernseher. Komplizierte Geräte aus verschiedensten Materialien, für wenig Geld erworben und für nur kürzeste Zeit in Gebrauch, bis ein neueres Modell angesagt ist. Es liegt aber nicht nur an den Konsumentinnen und Konsumenten. Meine jüngste Erfahrung zeigt, dass wir oft auch von Herstellern und Händlern zum Wegwerfen gezwungen werden.

Ausgerechnet an einem Samstagvormittag, und erst noch in der heissesten Phase des Wahlkampfes zu den Kantonsratswahlen, fällt mein Festnetz-Telefon im jugendlichen Alter von 20 Monaten in einen komaähnlichen Zustand. Auf der Ladestation gibt das Gerät noch Lebenszeichen von sich, sobald ich es in die Hand nehme, fällt es wieder in einen Tiefschlaf.

Kurzerhand packe ich das defekte Gerät in meinen Rucksack und düse mit dem Fahrrad in die  Stadt zu meinem Telefonanbieter. Sobald ich den Laden betrete, erkundigt sich eine freundliche Angestellte nach meinen Wünschen. Hoffnungsvoll packe ich mein Telefon aus und übergebe der Frau meinen Patienten. Nach intensiver Aussenbetrachtung des Gerätes folgt die ernüchternde Diagnose: „Gute Frau, es lohnt sich nicht das Gerät zu reparieren. Es ist ja bereits im zweiten Lebensjahr, da fehlen auch schon mal die Ersatzteile für eine Reparatur und nein, dieser Gerätetyp ist auch nicht mehr lieferbar“.

Schmerzlich wird mir bewusst, dass ich mich von meinem geliebten Telefon verabschieden muss. Nach einer durchaus längeren Angewöhnungszeit hatte ich mich mit dem Teil gut angefreundet und gemeinsam durften wir so manch witzige Plauderstunde verbringen - und jetzt das! Ein kleiner Lichtblick erscheint am Horizont: Die Garantie auf dem Gerät ist doch noch gar nicht abgelaufen. Sofort werde ich eines Besseren belehrt: Sie dauerte nur ein und nicht zwei Jahre.

Nun, mir blieb nichts anderes übrig, als die Sache zu akzeptieren und so erwarb ich kurzerhand ein neues Gerät. Aber das war ja noch längst nicht alles. Am Montag darauf hatte sich auch noch unser Router verabschiedet, ebenfalls nach nur 20 monatiger Lebenszeit. Diesmal erkundigte ich mich via Hotline beim Telefonanbieter nach einer Lösung. Und siehe da, nach mehrminütiger Wartezeit mit musikalischer Unterhaltung konnte mir eine Mitarbeiterin ein Ersatzgerät anbieten. Auf meine erneute Anfrage nach der Garantiezeit hat sich herausgestellt, dass sowohl der „alte“ Telefonapparat als auch der gleichaltrige Router noch für vier Monate unter Garantie stehen!

Lange Rede, kurzer Sinn: Jetzt habe ich wieder ein funktionierendes, neues Telefon und auch das Internet läuft wieder einwandfrei. Aber unter welchen Bedingungen? Geräte, die noch unter Garantie stehen werden nicht mehr repariert sondern gegen ein Nachfolgemodell ausgetauscht! Und dies obwohl bekannt ist, unter welchen teilweise katastrophalen Bedingungen diese Geräte hergestellt werden. Kinderarbeit, schlechte bis gar keine Entlöhnung, vom Abbau, bzw. Raubbau der Rohstoffe ganz zu schweigen. Also liebe Hersteller und Händler von elektronischen Geräten: es ist höchste Zeit umzudenken - reparieren, statt wegwerfen - ein kleiner aber wertvoller Beitrag für die Mutter Natur!

Winterthurer Stadtanzeiger, grünpunkt,  7. April 2015 - Renate Dürr, Schulpflegerin, Kantonsratskandidatin