Verkehr sparen = Gewinn für alle

Di 21.04.15

«Notbremse ziehen», «Katastrophe fürs Gewerbe»: so die Kommentare zur Verabschiedung der neuen Parkplatzverordnung im Grossen Gemeinderat. Gegen den Beschluss hat die bürgerliche Sparturbo-Allianz das Referendum ergriffen. Ausgerechnet gegen diese kostengünstigste aller Verkehrssteuerungsmassnahmen!

Mit der neuen, fortschrittlichen Verordnung geht es um die rechtsgültige Festlegung der bereits heute gängigen Praxis für die Bewilligung von neuen Autoparkplätzen. Winterthur ist zur Grossstadt geworden. Der Strassenraum ist aber fast gleich wie vor 50 Jahren. Die von den Gegnern propagierten Verkehrskonzepte des letzten Jahrhunderts funktionieren nicht mehr. Die massive Zunahme der motorisierten Mobilität der letzten Jahrzehnte kann im begrenzten städtischen Raum nicht mehr primär über den privaten Autoverkehr abgewickelt werden. Insbesondere zu den Stosszeiten überlasten heute schon automobile Pendlerströme – mit je nur einer Person pro Fahrzeug – unsere Hauptstrassen, lassen Busse und Handwerker im Stau stehen. Nicht zu reden von den Belastungen für Umwelt und Anwohner.

Verstärken wir die Anreize, damit weniger Beschäftigte mit dem eigenen Auto an ihren Arbeitsplatz fahren. Alternativen gibt es mit dem hervorragend organisierten öffentlichen Verkehr mehr als genug. Was die Parkplätze für das Wohnen andererseits anbetrifft, so stehen schon heute in vielen Abstellanlagen unzählige Plätze leer.

Die Verordnung zieht nur nach, was längst Realität ist: Auch in Winterthur gibt es immer mehr Einwohner ohne eigenes Auto. Schliesslich wird behauptet, die Verordnung vernichte Arbeitsplätze. Das Gegenteil ist der Fall. So hat Zürich schon seit längerem deutlich restriktivere Regelungen. Trotzdem findet sich eine der höchsten Arbeitsplatzdichten des Kantons mitten im Herzen der Stadt Zürich, nämlich rund um den Hauptbahnhof!

Ich bin überzeugt dass die Bevölkerung auch in Winterthur diesen kleinen, aber wichtigen Schritt zum Erhalt unserer Lebensqualität mitträgt. Ein permanent überlastetes Hauptstrassennetz nützt niemandem etwas.

Reto Diener, Gemeinderat Grüne