Vorsorge

Do 21.01.21

«Freiheitsentzug», «Demokratie in Gefahr» rufen die Teilnehmer an den Anti Corona Demos und kritisieren Massnahmen wie Maskenpflicht oder Restaurant-Schliessungen. Weil aktuell 'grad nicht mehr soviele Flüchtlinge ins Land kommen, richtet sich der Ärger gegen die vorsorglich operierenden Regierungen und deren unterstützenden Kreise, namentlich auch die Grünen. Eine Exponentin der SVP Winterthur liess letzte Woche verlauten, man solle doch alle Massnahmen unterlassen, dann würde «... unser aller Leben seinen ganz normalen Gang gehen, wie damals, als die Leute noch nicht mal den Unterschied zwischen Bakterien und Viren kannten.» Ja, genau wie damals, als Millionen von der Pest, Cholera oder dem Kindbettfieber dahingerafft wurden. Letzeres wurde übrigens vor allem durch die so richtig «heftig einschränkende» Vorsichtsmassnahme Händewaschen äusserst erfolgreich eingedämmt.

Zurück zum heute und den Relationen bezüglich der «Freiheit». Die Übersterblichkeit ist jetzt auch für die Schweiz klar ausgewiesen und Tausende leiden an COVID-Langszeitfolgen. Vorsorgemassnahmen sind deshalb mehr als angebracht. Der zeitweise Verzicht auf das Feierabendbier in der Beiz, oder das Tragen einer Maske beim Einkaufen sollten nicht zuviel verlangt sein. Es ist wie bei den Fragen nach vorsorglichen Klimamassnahmen, einer gültigen Betriebsbewilligung oder der Sinnhaftigkeit von überdimensionierten SUV's im Stadtverkehr. Weshalb sind die Reaktionen darauf so heftig?

 

Politische Kolumne in der Winterthurer Zeitung
von Reto Diener, Gemeinderat Grüne, Winterthur