«Weniger hat mehr Zukunft – damit es für alle genug hat»

Fr 05.08.16

Wie soll es mit dem Verbrennungsmotor angesichts der Klimaerwärmung und damit der Herausforderung der CO2-Reduktion weitergehen? «Es braucht den Diesel weiterhin», ist die Antwort im Artikel. Sie überzeugt allerdings nicht: Verzweifelt wird versucht, einen technologischen Dinosaurier weiterhin am Leben zu erhalten.

Nach den geschummelten Statistiken werden noch mehr Katalysatoren mit giftigen Cocktails herbeigeredet, um nur schon das toxische Stickoxid mehr schlecht als recht zu binden. Dass auch ein Dieseltönner noch immer massig CO2 in die Luft bläst, wird einmal mehr unter den Tisch gewischt. Fakt ist, dass die private Motorisierung in der Schweiz ständig zunimmt und das Hubraumvolumen der verkauften Autos weiterhin ansteigt – dies trotz Staus und immer dichterem Verkehr.

Das «Dieselgate» ist dabei exemplarisch und vor allem ein eigentliches Zu-Viel-Gate. Wir leben ökologisch immer mehr auf Kosten künftiger Generationen. Die technologischen Zauberlehrlinge sind letztlich der hilflose Versuch, dem Klimawandel mit einer Selbstlüge Herr zu werden.

Auch beim Flugverkehr verhält es sich ähnlich. Trotz Klimabewusstsein grosser Bevölkerungskreise schreiben die Flughäfen jedes Jahr neue Rekorde. Es ist so: Eine einzige grosse Flugreise reisst die ansonsten gute persönliche Energiebilanz eines ganzen Jahres wieder ins Minus. Oder anders herum betrachtet: Die globalen fossilen Energiereserven reichen locker, um die Erde innerhalb des laufenden Jahrhunderts auf einen 8 bis 10 Grad Erwärmungspfad zu führen. Das wäre das Doppelte der Erwärmung seit der letzten Eiszeit und könnte leicht das Ende der bisher bekannten Biosphäre wie auch uns selbst bedeuten (siehe «Selbstverbrennung », Schellnhuber, 2015).

«Weniger hat mehr Zukunft – damit es für alle genug hat.» Diese kurze, aber einfache Formel bringt auf den Punkt, worum es eigentlich geht. Weiterhin gegen die Natur zu arbeiten, birgt immense Risiken, darüber gibt es längst keine Zweifel mehr. Wollen wir wirklich die Zukunft unserer Enkel aufs Spiel setzen?

 

Leserbrief im Landboten von Reto Diener, Gemeinderat Grüne Wintrthur